Aug’ in Aug’ mit den Chimps

Es gibt Orte, an denen spürt man eine ganz besondere Stimmung und Ausstrahlung, Orte die man so schnell nicht wieder vergisst. Tacugama, das Schutzgebiet für Schimpansen (das Chimpanzee Sanctuary), ist ein solcher Ort. Auf den Bergen hinter Freetown, der Hauptstadt von Sierra Leone, hat Bala Amarasekaran eine Aufzuchtstation und einen Rückzugsort für Schimpansen geschaffen, die hier liebevoll “Chimps” genannt werden. Freetown ist eine aus den Nähten berstende westafrikanische Großstadt. Die ehemals von Regenwald bewachsenen Berge um die Stadt herum sind folglich abgeholzt. Bis auf eine Enklave, an die sich keiner heran traut, weil sie eisern verteidigt wird: Tacugama.

Jedes Detail des Sanctuary ist liebevoll gestaltet.
Die Leidenschaft von Bala Amarasekaran ist ansteckend.

Dass es so weit gekommen ist, war eigentlich ein Zufall, wenn man an Zufälle glaubt. Bala hat vor 26 Jahren einen gefangenen Schimpansen gerettet, einzig, weil er nicht mit ansehen konnte, wie das Tier gelitten hat.

“It is just the human nature to care for another being” (Bala)

Auch wenn sie ja kaum still halten - ein paar schnelle Skizzen konnte ich doch festhalten.

Aus einem wurden 2, 3 und schließlich brauchte er einen besseren Ort für seine geretteten Schimpansen, als seine eigene Wohnung. Mit Hilfe der Regierung schuf er Tacugama. Und was hat er in den letzten 26 Jahren erreicht! Nicht nur ist das Bewusstsein für den “Wert” von Schimpansen soweit gestiegen, dass der Schimpanse das Nationale Tier Sierra Leones geworden ist. Wird irgendwo im Land ein gefangener Schimpanse gefunden, wird Bala sofort benachrichtigt. So hat er mittlerweile fast 100 Tiere in seinem Sanctuary. Oft sind es die kleinen Babies, die verkauft werden, nachdem die ganze Familie abgeschossen wurde. Wenn die Babies zu ihm gebracht werden, werden sie liebevoll von einer Bezugsperson aufgezogen. Langsam werden Fertigkeiten trainiert, die sie später im Busch brauchen. In mehreren Trainingsstufen erlernen die Schimpansen körperliche und soziale Fertigkeiten, bis sie mit einer Sippe in  einem fast wilden Areal leben, bereit, ausgewildert zu werden. Und da beginnt ein neues Problem: Da der Regenwald noch immer großflächig zerstört wird und auch Schimpansen und andere Affen noch immer gejagt werden, können die so aufgezogenen Chimps nicht guten Gewissens ausgewildert werden.

“It is all about humans having a lack of respect for wild life.” (Bala)

Lee hatte natürlich seine Kamera dabei und hat in einem Film eingefangen, um was es bei Tacugama geht. Alles mit einer einzigen Antwort von Bala unterfüttert, in dem dieser die ganze Geschichte und seine Vision einer besseren Welt schildert.

Der nächste Schritt ist für Bala nur logisch: Er muss zusehen, dass die Schimpansen eine reale Chance haben, in der Natur zu überleben. Dazu hat er ein umfangreiches Artenschutzprogramm auf die Beine gestellt und ist mit einem tatkräftigen, motivierten Team dabei, Forschung zu betreiben, Schulungen und Lehrmaterial für Schulen anzubieten, Aufforstungen voranzutreiben und Ökotourismus aufzubauen. Denn wenn die Menschen in den Dörfern nicht mit der Jagd ihren Lebensunterhalt verdienen, braucht es Alternativen.

Die wunderbare Atmosphäre unter dem Blätterdach des Regenwaldes.

Direkt neben dem Chimpanzee Sanctuary hat Bala das ersten Ökotourismus-Dorf aufgebaut. Mitten im Regenwald, liebevoll angelegt und einfach, aber mit allem ausgestattet, was nötig ist. Jedes Häuschen hat er selber entworfen. Sie haben fast alle zwei Etagen auf einer kleinen Wohnfläche, damit man von der oberen Terrasse mitten in die Bäume schauen kann, ohne ein anderes Haus in der Sichtachse, nur Bäume. Was muss das für ein Gefühl sein, dort aufzuwachen, von den Vogelstimmen des Regenwaldes geweckt, vielleicht auch von den Rufen der Chimps im benachbarten Sanctuary. Dann direkt in die Bäume des Waldes zu schauen und seinen ersten Tee zu trinken, im Schatten der großen Regenwald-Riesen… Nächstes Mal muss ich hier unbedingt ein paar Tage verbringen! Und ich kann die “Ecotourism Lodges” von Tacugama nur wärmstens für eine echte Urwald-Erfahrung empfehlen. Oder für Menschen, die zur Ruhe kommen, einmal richtig durchatmen wollen. Natürlich gibt es auch einen Bereich für Yoga…

Von der oberen Terrasse blickt man mitten in den Regenwald.
Will man hier nicht sofort einziehen?
Anhalten, durchatmen, zur Ruhe kommen. Wenn nicht hier, wo dann?

Es gäbe noch so viel mehr zu erzählen. Aber ich glaube, den Rest kann man nur selber erleben. Also keine Angst vor großen Taten, auf nach Tacugama! Wer jetzt Feuer gefangen hat, dem lege ich unseren vorherigen Blogbeitrag über das Urlaubsland Sierra Leone ans Herz: “Ferien in den Löwenbergen”. Und ein Zitat von Bala gebe ich Euch noch auf den Weg:

“We live in a world, where it is all connected somehow.” (Bala)

In unserer Welt ist alles verbunden. Wir können uns nicht einbilden, dass auch nur irgendetwas, was jeder einzelne von uns tut, ohne Folgen bleibt.

Und noch ein Nachschlag (mal sehen, ob ich hier je das Ende finde): Es gibt viele Wege, einen Beitrag zu leisten! Zum Beispiel kann man eine Patenschaft für einen der Chimps übernehmen.

Oder man spendet einfach so zum Erhalt des Projektes, z. B. mit Paypal

Noch viel mehr Infos gibt es auf der Website von Tacugama:

Bala mit Lee nach dem Interview.

Mein Regenwald-Bild ist im Übrigen auch in unserem Shop als Original oder als Druck zu bekommen (wie viele andere meiner Bilder):

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