Da ist Pizza im Busch

Chief Sambu führt das einzige Gästehaus in Kamakwie, welches einigermaßen an westliche Standards herankommt. Einigermaßen. Es gibt nur sehr begrenzt fließend Wasser, meist ist man mit einem Bucket-Shower besser bedient, und es gibt auch nur sehr begrenzt Strom (von bestenfalls 19 bis ca. 4 Uhr morgens, so lange, bis der Tank des Dieselgenerators wieder leer ist). Aber Chief Sambu hat auch viele Jahre in den USA gelebt, weiß also, wie die westliche Welt aussieht und sich anfühlt. Und so wohl er sich auch in Kamakwie fühlt, so sehr sehnt er sich auch von Zeit zu Zeit nach etwas westlichem Luxus. Zum Beispiel nach Pizza. Zu Weihnachten hat er sich eine Pizza und einen Burger mit einem Flieger aus New York mitbringen lassen. Beides war natürlich schon nicht mehr richtig frisch, aber es war ein Fest.

So fassten wir den Plan, bei unserem jetzigen Aufenthalt Pizza in Kamakwie zu backen. Weizen gibt es. Hefe auch, ich habe aber sicherheitshalber eigene mitgebracht. Tomatenkonzentrat gibt’s. Was es hier in der Provinz nicht gibt, ist Käse. Es gibt keine Kühlkette, daher keine Milch (außer getrocknet in Tüten) und somit auch keinen Käse. Wir haben also ein eingeschweißtes Stück Gouda mitgenommen, in der Hoffnung, dass das am besten der Wärme trotzt.

Und dann geht es los!

Der Hefeteig lässt sich gut bereiten und geht bei 41 Grad auch superschnell und gut auf.

Da hier eigentlich keiner außer den Bäckern einen Ofen hat, hat Chief Sambu einen netten Bäcker gesucht, der uns bei der Nachmittagsschicht erlaubte, bei ihm mitzubacken. Ich fühlte mich sehr geehrt, in so eine Backstube eingelassen zu werden, um darin herumzufuschen!

Hier wird in einem Stein-/Lehmofen gebacken. Unser Bäcker ist mit Wollmütze und Stirnlampe ausgestattet. Er gehört der Volksgruppe der Fula an – die sollen die besten Bäcker sein. Und sein Brot ist sensationell knusprig und lecker! Als er meine dünnen Fladen sieht, schickt er nach einem alten Karton, den er unter die Pizzen legt. Er hat wohl Sorge, dass zu viel vom Steinboden an der Pizza hängen bleiben würde. Oder er hat einfach Angst, dass die Sauce oder der Käse heruntertropfen und seinen Ofen ruinieren. Jedenfalls gibt es keine Gegenrede und auch auf Kosten eines knusprigen Bodens willige ich ein. Die Hitze im Ofen kommt von einem kleinen Kohlehaufen an einer Seite, also nicht von unten. So brauchen die Pizzen etwas länger (mehr als 20 Minuten) und werden nicht ganz so knusprig wie erhofft. Aber sie werden!

Dann steigt die erste Pizza-Party von Kamakwie! Mitten im westafrikanischen Busch! Eine perfekte Pizza sieht anders aus, aber herrlich war sie dennoch. Das Pizzalächeln von Chief Sambu spricht für sich – der Aufwand hat sich gelohnt!

Dies ist übrigens das Gästehaus von Chief Sambu – das “White House”, der Name erklärt sich von alleine. Er ist dabei, es Stück für Stück auszubauen, derzeit ist nur das Erdgeschoss bewohnbar. Vom Dach hat man in klaren Nächten einen traumhaften Blick in den Sternenhimmel! Wen es jemals in diese Ecke der Welt verschlägt, am “White House” kommt man nicht vorbei.

2 Kommentare zu „Da ist Pizza im Busch“

    1. Mari

      Lieber Jörg, ja, das mit der Pappe war natürlich nicht optimal. Aber der Bäcker hatte Angst um seinen Ofen. Kennt halt keine Pizza. Und der Boden war natürlich nicht knusprig. Seine Brote bäckt er direkt auf dem Stein und die sind hier wirklich sehr lecker!

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