Von Rittern und Knastologen

Die Barmstedter Schlossinsel bietet für jeden etwas: Tretboot fahren, Kunst gucken, Geschichte nachspüren oder einfach Eis essen. Im Gefängnis. Vor allem im Sommer sind See und Insel das perfekte Ziel für einen Kurzausflug mit der ganzen Familie. Entsprechend gut besucht ist es dann auch.

Der Reihe nach: Anno 1140 siedelten sich die Ritter von Barmstedt auf der kleinen Insel im später nach ihnen benannten Rantzauer See an, weil die leicht zu verteidigen war. Im Jahre 1721 ereignete sich dann jedoch ein folgenschwerer Brudermord – wenn es denn einer war. Fest steht: Graf Christian Detlev zu Rantzau wurde tot aufgefunden, als sein Mörder dessen Bruder Wilhelm Adolf verurteilt. Die Folge: der dänische König beschlagnahmte die Grafschaft. Ein politischer Komplott? Immerhin hatten die Dänen 138 Jahre gut davon, bis die Preußen und Österreicher im deutsch-dänischen Krieg sie 1864 vertrieben. Lang’ ist’s her …
Graf Christian Detlev zu Rantzau (Quelle: Wikipedia)

Kleiner Einschub:
Besagter Graf Christian Detlev zu Rantzau scheint kein so netter Zeitgenosse gewesen zu sein. Er hatte eine Anzahl Streitigkeiten mit dem dänischen Königshaus verursacht und war aufgrund seines kostspieligen Lebensstils und seiner recht despotischen Herrschaft in der Grafschaft gefürchtet. Er wurde 1715 wegen des Vorwurfs homosexueller Handlungen in Berlin verhaftet und anschließend in Spandau inhaftiert. Der Bruder Wilhelm Adolf übernahm derweile die Verwaltung der Güter bis Christian Detlev 1720 wurde  aus der Haft entlassen wurde und auf das Barmstedter Schloss Rantzau zurück kehrte, begleitet von 50 in Hamburg angeworbenen Männern, die ihm als bewaffnete Garde dienten. Er führte seinen früheren Lebensstil fort und machte sich so weiter unbeliebt. (Quelle: Wikipedia)

Heute ist vom einstigen Schloss nichts mehr zu sehen, dafür steht an derselben Stelle ein privat bewohntes Herrenhaus. Außerdem gibt es das Heimatmuseum im ehemaligen Amtsgericht, davor das ehemalige Gerichtsschreiberhaus samt Remise, in denen es allerlei Kunst zu sehen gibt, und gegenüber das „Schlossgefängnis“, welches heute ein Café und Restaurant beherbergt.
Während Mari noch jenseits des Burggrabens vor der alten Wassermühle malt, genieße ich bereits einen leckeren „Erdbeertraum“ für 7,60 € , der in der Speisekarte unter der Rubrik „Unterkühlter Knast“ aufgeführt ist. Die Inhaber spielen mit der Geschichte ihres Gebäudes und bieten deshalb für Gruppen sogar ein „Knastessen“ an – Brühe, Rippchen, Kartoffeln und Salat für z.Z. stolze 32 Euro p.P. (ich habe das vor etwa 15 Jahren einmal mitgemacht und war eher enttäuscht – da half auch die Sträflingskleidung nichts …).

Nachdem sich auch Mari mit Kaffee und Kuchen belohnt hat, schlendern wir noch einmal am See entlang. Bei strahlendem Sonnenschein ist der voll mit Ruder- und Tretbooten, darauf laut lachende Menschen zwischen 5 und 50 Jahren. Für ausreichend Parkplätze ist in unmittelbarer nähe übrigens gesorgt. Und z. B. von Hamburg aus sind es nur rund 40 Kilometer mit dem Auto.

Wie immer gibt es das Bild von Mari in unserem Shop:

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